Vernissagen


Ausstellung Marion Haas "Garten Eden", Kurfürstliche Burg Eltville,
Galerie im Turm, Mai 2009

Ansprachen:
Landrat Burkhard Albers / Bürgermeister Patrick Kunkel / Michael Becker, Wiesbadener Freie Kunstschule (Rede s. unten)

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  Ausstellung Garten Eden, Galerie im Turm zu Eltville, 2009  
     
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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Marion,

ich begrüße alle recht herzlich zur Vernissage von Werken von Marion Haas in dieser wunderschönen Umgebung.

Wir haben aufgrund unseres Jahrtausende alten kulturellen Backgrounds das Privileg, die großartige Möglichkeit geschaffen, uns – wie zum Beispiel anlässlich einer solchen Ausstellung – aus dem Alltag auszuklinken, nicht mehr – wie es heutzutage leider in vielen Berufen noch der Fall ist – einfach funktionieren zu müssen. Wir werden durch eine Ausstellung dazu veranlasst, uns in den Zustand der Muße zu versetzen, um neue, ungewöhnliche Eindrücke tanken zu können. Diese helfen uns, uns wieder sinnlich verhalten zu dürfen. Für alle Menschen ist der ästhetische, sinnliche Reiz der Beginn neuer Erfahrungen. Ich sehe die Welt auf einmal ganz anders, weil ein Künstler die sinnlichen Reize so komponiert hat, wie ich sie vorher noch nie gesehen habe, wo ich noch nicht einmal ahnen würde, dass so etwas auch denkbar und möglich wäre.

Daher ist es für mich eine große Freude zu sehen, dass auch die Politik in Person unseres Landrates und des Bürgermeisters einem solchen privilegierten Ereignis beiwohnen. Denn die Politik trägt ja gerade die größte kreative Verantwortung für alle von uns, und Kunst als Ort der geistigen Freiheit kann eine besondere Inspirationsquelle für alle diejenigen sein, die beruflich täglich auf neue, ungewöhnliche Ideen kommen müssen. Das unterstützt den gesellschaftlichen Fortschritt und die Humanisierung des Lebens insgesamt.

Die Bilder von Marion Haas strahlen eine besondere Form von Leichtigkeit und Fröhlichkeit aus, gespickt mit Witz, aber auch Erotik. Der Garten Eden ist zugleich die Einladung an alle, seine Sorgen, alltäglichen kleinen und großen Probleme draußen zu lassen und einfach einmal abzuschalten. Die Bilder von Marion Haas fungieren dabei als Refugium vor jeglicher Form von konditioniertem intellektuellem Fingerzeig. Die Bilder sind einfach sie selbst, genau wie ihre Schöpferin auch. Die Bilder sind wie Marion selbst: freundlich und ein Bisschen verrückt.

Viele Künstler steigern sich in intellektuelle Verrenkungen, die Bilder von Marion dagegen bleiben ihrer eigenen Linie treu.

Ihre ungewöhnlichen, z.T. animistisch und surrealistisch angehauchten Ideenfindungen bestechen durch ihre Natürlichkeit und sympathischen Naivität. Ihre Vorliebe für natürliche Motive verbindet sich mit ihrem verspielten und liebenswerten Wesen zu einer emotional geladenen zutiefst weiblichen Malerei.

Marion war vor einigen Jahren Schülerin bei mir an der Wiesbadener Freien Kunstschule. Vor allem das umfangreiche Technikstudium reizte sie besonders, und von ihm hat sie auch am meisten profitieren können. Unterschiedliche Umgangsweisen mit Farbe erweitern ihre malerischen Möglichkeiten, um die unverfängliche Ausstrahlung ihrer Bilder zu bereichern.

Es ist bewundernswert, wenn jemand einen Großteil seiner Lebenszeit immer wieder sich der Herausforderung der weißen Leinwand stellt. Experimente mit sich, seinen Einstellungen zum Leben und seinen Erfahrungen können gedeihen und ausagiert werden, an die Menschheit weitergeleitet werden. Endlich ist alles erlaubt, ohne Kompromisse und Erwartungen an die öffentliche Meinung. Aber trotzdem in gespannter Erwartung auf die öffentliche Reaktion, die einem hilft, sein eigenes künstlerisches Profil zu schärfen. Daher wäre eine Auseinandersetzung mit den Arbeiten von Marion an einem solchen Ort für beide Seiten – Malerin und Betrachter – eine fruchtbare Angelegenheit.

Ich wünsche Ihnen allen viel Freude bei der Betrachtung der Arbeiten und würde mich über fruchtbringende Diskussionen freuen.

Danke!

© M. Becker / Schulleitung Wiesbadener Freie Kunstschule

 
     
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